Hitze. Die geballte Kraft der Sonne entlädt sich hier. Kein Schatten. Und neben mir der Abgrund des Grand Canyons.

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Stammesmitglied der Hualapai an einem Shuttle-Stop.

Stammesmitglied der Hualapai an einem Shuttle-Stop.

Mit einem Rumps bleibt der Shuttle-Bus am ersten Aussichtspunkt stehen. Mit ungefähr 60 anderen Besuchern quetsche ich mich neugierig hinaus zum Eagle Point, als mir der Atem stockt. Vom stark klimatisierten Bus in die überhitzte Realität des Hualapai Reservats im amerikanischen Arizona. Ich schließe mich der Masse an und pilgere zum Abgrund. In der Gruppe werden wir aber daran vorbei gelotst, Richtung Skywalk.

 

Auf dem Hufeisen über dem Abgrund

Der Skywalk. Das ist der Hauptgrund für die vielen Besucher im Hualapai Reservat am Westrand des Grand Canyons. Das Reservat liegt etwa fünf Autostunden vom Nationalpark entfernt und ist im Besitz des Hualapai Stammes, der es auch touristisch betreibt. Der Grand Canyon Skywalk ist ein hufeisenförmiger, etwa sieben Zentimeter dicker Glasweg, der über der Schlucht thront. Etwa 1.200 Meter über dem tiefsten Punkt des Canyons können die Besucher seit 2007 den Abgrund unter ihren Schuhen betrachten.

Skywalk - hufeisenförmig über dem Abgrund.

Skywalk – hufeisenförmig über dem Abgrund.

Besser gesagt, unter den Schutzhüllen für die Schuhe. Denn die Sicherheitsvorkehrungen für den Skywalk sind hoch. Um ein Zerkratzen der dicken Glasflächen zu vermeiden, muss jeder Besucher seine Schuhe verhüllen. Sämtliche losen Gegenstände werden zuvor vom Personal abgenommen: Sonnenbrillen, Trinkflaschen und vor allem Kameras. Wer sich auf eine Fotosession auf dem Skywalk gefreut hat, wird enttäuscht. Zwar machen Stammesangehörige auf dem Glasweg Fotos mit Daumen-hoch Motiven, hüpfenden Touristen oder anderen Touristenposen, eigene Bilder sind nicht erlaubt.

Der Blick in den Abgrund - der Grand Canyon.

Der Blick in den Abgrund – der Grand Canyon.

Teurer Ausflug an den Grand Canyon

Diese Fotos sind im Eintrittspreis nicht inkludiert. Beim Eingang in das Reservat muss man sich entscheiden welches Package man erwerben möchte. Eines teurer, als das andere. Die Leistungen in den Eintrittspreisen steigern sich minimal. Wer auf den Skywalk hinauf will, muss zusätzlich knapp 30 Dollar berappen. Es empfiehlt sich also schon das größere Package zu nehmen. Pro Person kommt man ungefähr auf 80 Dollar inklusive Taxen.

Den Colorado River im Visier

Dennoch bietet der Eagle Point neben dem Guano Point tiefe Einblicke in den Grand Canyon. Die Aus- bzw. Einsichten in den Abgrund sind eindeutig klarer und facettenreicher als im Nationalpark, welcher das North und South Rim abdeckt. Der Westen des Grand Canyons bietet von oben weg Blicke bis hinunter zum Colorado River, der sich durch die Gesteinsspalten schlängelt. Die Gesteinsschichten sind Zeugen von Millionen von Jahren und rufen ein Gefühl der Ehrfurcht hervor.

Das Hualapai Reservat außerhalb des Grand Canyon Nationalpark.

Das Hualapai Reservat außerhalb des Grand Canyon Nationalpark.

Ehrfurcht vor uraltem Gestein

Was diese Gesteine schon alles miterlebt haben? Der Ausblick über den Rand stimmt nachdenklich, es wird ruhiger am Touristen-Hotspot. Die Sonne bestrahlt mich immer noch und es ist keine einzige Wolke am Himmel zu sehen. Unter den kleinen Sonnensegeln, die an den Haltestellen der Shuttle-Busse aufgestellt sind, schlichten sich die Menschen Schatten suchend ein. Stammesmitglieder verkaufen traditionellen Schmuck und Handwerkskunst an der Haltestelle. Alle sind modern gekleidet, mit einer Ausnahme. Direkt am Shuttle-Stop steht ein Hualapai mit buntem Kopfschmuck mit Federn und Perlen, einer bunten Rassel in der Hand. Er grinst recht freundlich. Aber so richtig abnehmen kann ich ihm diese Rolle nicht. Zudem trägt er passend zu dem opulenten Kopfschmuck, der uns eher aus Winnetou-Filmen bekannt ist, ein pastellfarbenes Hemd und eine Blue Jeans. Authentisch ist anders. Authentizität wird hier allerdings auch nicht versprochen.

Inszenierung in Arizona

Der touristische Teil des Hualapai Reservates mit dem Skywalk ist eine Inszenierung, wie man sie in den USA so oft vorfindet. Ein Hualapai Village zeigt die Lebensweise des Stammes, im Amphitheater werden Aufführungen der so genannten American Native Tribes aufgeführt. Nebenbei kann dann auch noch Perlen- und Federschmuck geshoppt werden. Der Versuch einen Einblick in die Kultur der Hualapai zu geben wirkt aufgesetzt. In der Hualapai Ranch kann man sogar im Wild-West-Stil übernachten oder in Cowboy-Atmosphäre speisen. Sicher nicht jedermanns Sache. Wenn man bedenkt, dass ein Zurschaustellen der Kultur Arbeitsplätze schafft und die wirtschaftliche Situation des Hualapai-Stammes erheblich verbessert, macht man vielleicht doch gerne mit. (Daniela Nowak, kofferpacken.at)

Koffer packen und los geht’s:

* Die Schotterstraße namens „Diamond Bar Road“ ist 21 Meilen lang und ist die einzige Straße, die ins Reservat führt. Nicht unterschätzen, man benötigt gut 1,5 bis 2 Stunden alleine auf dieser Straße, wo man nur den Staub des Vordermanns sieht.

* Jeder Besucher muss eines der Packages erwerben. Das Hualapai Legacy Package ist das kleinste und günstigste, beinhaltet jedoch nur den Eintritt und die Erlaubnis (permit) in das Reservat hinein zu dürfen. Extra-Leistungen wie der Skywalk, Fotos, Rafting etc. müssen auch extra bezahlt werden.

* Der Besuch lohnt sich in jedem Fall, wenn man nicht vor hat den Nationalpark und das Reservat zu besuchen. Die regulären Aussichtspunkte sind im Reservat teilweise besser, man sieht weiter hinab. Aufgrund der hohen Kosten, der Massenabfertigung sowie der Inszenierung des Stammes muss jeder selbst abschätzen, ob sich der Besuch lohnt.