Vor 25 Jahren hat der Wiener Michael Schnitzler ein Stück Regenwald in Costa Rica gerettet. Es bekam den Namen „Regenwald der Österreicher“. Heute lässt sich dort inmitten tropischer Pflanzen nachhaltig urlauben – und im chlorfreien Pool planschen.

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Nehmt unbedingt eine Taschenlampe mit, wenn ihr abends zurück zu eurem Bungalow geht“, warnt Hotelmanagerin Julia Wurth. Sie lebt schon seit einigen Jahren in der Esquinas Lodge, mitten im tropischen „Regenwald der Österreicher“. Dass man unabsichtlich auf eine Giftschlange treten könnte, ist für sie die natürlichste Sache der Welt. Nicht für uns. Wir leuchten jedes Mal ganz genau hin, wenn wir nach dem Abendessen den schmalen Pfad zu unserer Unterkunft zurückgehen. Am Ende unseres Aufenthalts finden wir es einerseits schade, nie einer Schlange begegnet zu sein – andererseits sind wir heilfroh.

Esquinas Lodge in Costa Rica

Handgemachte Vorhänge in der Esquinas Lodge

Wir befinden uns im südlichen Costa Rica, im Esquinas Regenwald. Ein Teil davon ist auch als „Regenwald der Österreicher“ bekannt. Ohne den Wiener Musiker Michael Schnitzler wären die meisten Bäume in dieser Gegend wohl längst abgeholzt. Er startete vor 25 Jahren eine österreichweite Kampagne, konnte viele Landsleute mobilisieren und schaffte es, 40 Quadratkilometer Wald freizukaufen und der lokalen Regierung zu schenken. „Damals gab es bereits eine Genehmigung zum Schlägern“, erzählt der heute 71-Jährige bei unserem Treffen in der Lodge.

Michael Schnitzler vom Regenwald der Österreicher

Regenwald der Österreicher: Zeit, Geld und Herzblut

Viel Zeit, Geld und Herzblut sind in sein Projekt geflossen. „Es war wie ein zweiter Vollzeitjob“, sagt er heute. Immerhin: Es hat sich gelohnt. Viele Naturschützer und sogar die costaricanische Regierung haben sich Schnitzlers Engagement angeschlossen. Ein großer Teil des Esquinas Regenwaldes ist heute in einen Nationalpark eingegliedert und somit vor Abholzung geschützt. Spenden werden trotzdem noch gebraucht: Einerseits, um die Wildhüter zu finanzieren. Andererseits, um einen biologischen Korridor für Tiere und Pflanzen zwischen dem tropischen Regenwald und einem nahegelegenen Gebirge zu schaffen.

Öko-Hotel als Vorbild für nachhaltigen Tourismus

Mit der Esquinas Lodge, die als Entwicklungshilfeprojekt startete, will Schnitzler zeigen, dass nachhaltiger Tourismus langfristig viel wirksamer ist als das schnelle Geld mit Tropenholz. Das Öko-Hotel liegt im Regenwald, umgeben von einem tropischen Garten. Marmelade, Säfte und Brot sind hausgemacht, Müll wird so gut es geht vermieden, die Wäsche trocknet unter der Sonne, der Pool wird von Bachwasser gespeist, chemische Pflanzenschutzmittel sind tabu. Um trotzdem entstehende Emissionen zu neutralisieren, wurden Tausende Regenwaldbäume gepflanzt. Die Lodge ist deswegen eine der wenigen Öko-Lodges in Costa Rica, die zu 100 Prozent Kohlenstoff-neutral sind.

Esquinas Regenwald

Tropische Pflanze im Regenwald

Orchidee im tropischen Regenwald

Roseapple Costa Rica

Tour durch den Regenwald

Swimmingpool im Regenwald

Tagsüber bestaunen wir tropische Pflanzen, handgroße blaue Schmetterlinge, planschen im chlorfreien Pool und beobachten Kolibris aus nächster Nähe. Mit Guide Ely durchstreifen wir den tropischen Regenwald, folgen den Rufen des Tukans und bewundern den Vogel mit dem markanten Schnabel durch das Teleskop. Nachts lauschen wir den Geräuschen des Urwaldes. Die Bungalows der Lodge haben keine Glasfenster, stattdessen stabile Moskitogitter.

Tropenstation la Gamba

Ein weiteres vom „Regenwald der Österreicher“ ins Leben gerufene Projekt befindet sich nur einen kurzen Fußmarsch von der Esquinas Lodge entfernt: die Tropenstation La Gamba, heute Außenposten der Universität Wien. Sie bietet internationalen Studenten und Wissenschaftlern einen Ort, um das komplexe Ökosystem des Regenwaldes zu untersuchen. So wie Sarah aus Vorarlberg. Die Studentin erforscht für ihre Masterarbeit unter anderem den Lebensraum der Libellen. Mit einem alten Fahrrad fährt sie jeden Tag los und durchforstet sechs bis sieben Stunden lang den Wald auf der Suche nach den Insekten. Ausgerüstet ist sie mit Machete und Pfefferspray. Eine reine Sicherheitsmaßnahme – in Costa Rica leben unter anderem noch Pumas in freier Wildbahn. Begegnungen mit Menschen sind aber selten. Und außerdem gibt es da noch die giftigen Schlangen …

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Koffer packen und los geht’s:

Information & Spenden: www.regenwald.at
Esquinas Lodge: www.esquinaslodge.com
Tropenstation La Gamba: www.lagamba.at