Neun bewohnte Inseln in Afrika, von Europa aus gut zu erreichen. Sicherheit, Sonne das ganze Jahr über, freundliche Menschen. Klingt zu schön um wahr zu sein? Ist aber so. Die Kapverden waren lange Zeit ein weißer Fleck auf der touristischen Landkarte. Sie liegen knapp 500 Kilometer westlich des Senegals, mitten im Atlantik. Einst wurden sie von portugiesischen Seefahrern entdeckt. Heute zählen sie zu den Vorzeige-Staaten innerhalb Afrikas.

Auch die Reiseindustrie ist in den vergangenen Jahren auf die Kapverdischen Inseln aufmerksam geworden. Welche Insel die schönste ist, lässt sich übrigens schwer sagen. Die Eilande sind sehr unterschiedlich, von der Wüsteninsel bis zur Vulkaninsel ist alles dabei. Die neun bewohnten Inseln heißen: Santiago, Boa Visa, Sal, Sao Vicente, Santo Antao, Fogo, Maio und Brava.

Wir waren Ende 2016 auf den beiden Inseln Sal und Sao Nicolau unterwegs. In diesem Artikel verraten wir die fünf großen Pluspunkte, die für eine Reise auf die Kapverden sprechen.

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1. Die Kapverden sind ein sicheres Reiseziel ganz nah bei Europa

Seien wir mal ehrlich: Auf der Suche nach potenziellen Reisezielen spielt der Sicherheits-Faktor eine immer größere Rolle. Klar: Wir wollen uns nicht verrückt machen wegen all der Bad News und der steigenden Terrorgefahr. Und obwohl es ein wahres Luxusproblem ist, schwingt der Sicherheits-Gedanke bei der Reiseplanung immer intensiver mit.

Die Kapverden haben diese Chance erkannt und wollen Urlaubshungrige zu sich lotsen. Tatsächlich entwickelt sich der Fremdenverkehr rasant. Bisher kamen jährlich rund 500.000 Touristen ins Land, bis zum Jahr 2021 soll sich die Zahl verdoppeln. Den Ansturm bemerkt man allein, wenn man den internationalen Flughafen auf der Insel Sal betritt. Die zwei mickrige Sicherheits-Gates sind mittlerweile für die zunehmende Zahl an Touristen zu wenig, zumindest in der Hauptsaison.

Die Kapverden gelten als fortschrittlich

Das hat einen Grund: Die Inseln gelten als sehr sicheres Reiseland. Auf den afrikanischen Inseln leben unterschiedliche Ethnien und Religionen friedlich miteinander. Bei den Frauenrechten ist das Land anderen afrikanischen Staaten weit voraus. Viele Frauen haben höhere Posten oder Regierungsämter inne. Auf den Straßen sind man oft junge Frauen mit knappen Hosen und kurzen Afro-Frisuren.

Haus auf den Kapverden

Die Kapverden sind außerdem ein afrikanischer Vorzeigestaat, was Schwulenrechte angeht. Seit 2004 ist Homosexualität gesetzlich erlaubt. Auch im Bereich Umwelt- und Tierschutz zeigt sich der afrikanische Inselstaat fortschrittlich: Die vom Aussterben bedrohten Unechten Karettschildkröten sind seit 2002 gesetzlich geschützt. Erneuerbare Energie werden gefördert, Sonne und Wind gibt es genug.

2. Die Kapverden sind nach kurzer Flugzeit zu erreichen

Kurz ist beim Fliegen relativ. Aber wer in Europa in den kälteren Monaten dem Winter entfliehen möchte, muss oft lange Flugzeiten auf sich nehmen. Anders bei den Kapverden: Die Inseln sind in rund sechs Flugstunden von Mitteleuropa aus erreichbar. Und gehören damit zu den wenigen warmen Orten im Winter, die man als Sonnenanbeter auf dem Schirm haben sollte. Klimatisch ähnelt Kap Verde übrigens den Kanaren. Sie liegen aber gut 1.500 Kilometer weiter südlich, bei der Anreise sind einzelne Kanareninseln aus dem Flugzeug zu erkennen.

Direktflug oder Zwischenstopp in Lissabon

Wir sind im November 2016 von München direkt auf die Insel Boa Vista und weiter auf die quirligste Insel, nach Sal, geflogen. Der Flug mit Tuifly nach Boa Vista dauert rund sechs Stunden, für den Weiterflug nach Sal muss man eine gute halbe Stunde dazurechnen. Von Wien aus ist es nicht ganz so unkompliziert: Die portugiesische Fluglinie TAP fliegt zwar mehrere Inseln auf den Kapverden an, aber stets über Lissabon. Wer trotzdem ab Wien fliegen will oder muss, plant dort am besten gleich einen mehrtägigen Zwischenstopp ein. Von Lissabon aus sind es nur mehr rund drei Flugstunden bis auf die Kapverden.

Inselhüpfen – keine einfache Angelegenheit

Da die kapverdischen Inseln sehr unterschiedlich sind lohnt es sich, mehrere Eilande zu besuchen. Inselhüpfen hört sich generell sehr verlockend an. Es ist aber auf den Kapverden nicht ganz einfach. Entweder bringt man viel Zeit mit oder man beschränkt sich auf wenige Inseln. Die Inseln liegen relativ weit auseinander, die Verbindungen sind mangelhaft. Wer Baden, Wandern und Kultur verbinden möchte, ist auf der Hauptinsel Santiago richtig. Wer auf nichts davon verzichten will und trotzdem mehrere Inseln besuchen, sollte sich vorher die Route gut überlegen. Eine gute Kombination sind zum Beispiel sandige Badeinseln wie Sal oder Boavista mit grünen Wanderinseln wie Santo Antao oder Sao Nicolao. Das kulturelle Herz der Kapverden schlägt auf Sao Vicente, die per Fähre gut mit der üppigen Wanderinsel Santo Antao verbunden ist.

TACV, die Fluggesellschaft der Kapverden

Inlands-Fluggestellschaft TACV

Die heimische Airline TACV fliegt nicht alle Inseln an und ist angeblich nicht sonderlich zuverlässig. Tickets sollten unbedingt vor der Abreise online vorgebucht werden. Wir haben allerdings gute Erfahrungen gemacht und sind von der Insel Sal für einige Tage auf die Insel Sao Nicolao geflogen. Der Flug in der Propellermaschine über den Atlantik war pünktlich und eindrucksvoll. Nach weniger als einer Stunde sind wir auf der kleinen Landebahn zwischen mit Grünzeug bewachsenen Felsen gelandet.

Fähren und Aluguers auf den Kapverden

Zwischen manchen Inseln verkehren auch Fähren, allerdings selten. Die Überfahrten dauern relativ lange. Ausnahme ist die regelmäßige Fährverbindung zwischen Sao Vicente und Santo Antao. Auf den Inseln selber macht man es am besten wie die Einheimischen. Sie fahren mit Aluguers, Sammeltaxis. Die sind günstig und bleiben auf Wink überall stehen.

3. Auf den Kapverdischen Inseln scheint immer die Sonne

Also, ob die Sonne wirklich immer scheint, können wir natürlich nicht sagen. Aber angeblich freuen sich die Insulaner über 350 Sonnentage im Jahr. Kein Wunder, die Inseln profitieren von der warmen Saharaluft. Auch die Temperaturen liegen das ganze Jahr über zwischen 20 und 30 Grad Celsius.

Optimale Reisezeit für die Kapverden

Gerade im europäischen Winter herrschen optimale Badetemperaturen. Am heißesten is es im September und Oktober, am kühlsten im Jänner und Februar. Zwischen August und November kann es ein bisschen Regen. Die optimale Reisezeit für die Kapverden sind demnach unter anderem die Monate November, Dezember, März und April.

4. Kilometerlange Sandstrände zieren die Küsten

Vorsicht, das gilt nicht für alle Inseln! Für Badeurlauber optimal geeignet sind die zwei touristischten Inseln Boa Visa und Sal. Sie bestehen aus nicht viel mehr als verbrannter Erde, Sand und Dünen. Die Vegetation beschränkt sich auf ein paar Büsche und niedrige Bäumchen. Auch Palmen wie in der Karibik darf man nicht erwarten. Dafür ist der Atlantik karibisch, nämlich türkis-blau und glasklar.

Sandstrand in Santa Maria, Sal, Kapverden

Schwarzer Strand auf den Kapverden

Wer sich seine Badeinsel lieber mit weniger Touristen teil, fühlt sich auf Maio bestimmt wohl. Die kleine Nachbarinsel von Santiago ist von der Hauptstadt Praia aus in rund 20 Flugminuten zu erreichen. Sie ist ebenfalls eine Wüsteninsel mit vergleichsweise wenig Unterkünften und wenig touristischer Infrastruktur. Auch auf den grünen Kapverdischen Inseln gibt es ein paar Strände, meistens aber schwarze Lavastrände.

5. Die Kapverden locken mit üppig-grünen Wanderinseln

Die Hauptinsel Santiago mit der Hauptstadt Praia bietet beides: üppige Gebirgszüge und kleine Sandstrände. Außerdem Geschichte, Kultur und ein lebendiges Alltagsleben. Wandern kann man außerdem auf folgenden Inseln:

Santo Antao: Beliebte Wanderinsel

Als Top-Wanderinsel bekannt ist das grüne Santo Antao, wo es professionell organisierte Wandertouren gibt. Hierher kommt man am besten via Fähre, die regelmäßig von der größeren Nachbarinsel Sao Vicente ablegt. Die Überfahrt dauert zwei Stunden.

Sao Vicente: Kultur und Natur

Apropos Sao Vicente: Diese Kapverden-Insel gilt als das kulturelle Herz, immerhin stammt die berühmte kapverdische Sängerin Cesária Évora von hier. Wer Kultur, Musik, Natur mit ein bisschen Baden und ein wenig Surfen verbinden mag, ist hier richtig.

Wandern auf Sao Nicolau, Kapverden

Brava, die Vulkaninsel

Brava ist die kleinste bewohnte Insel der Kapverden. Sie ist landwirtschaftlich geprägt und gilt als Blumeninsel. Die Insel Fogo ist eine Vulkaninsel. Den knapp 3.000 Meter hohen Pico de Fogo, den höchsten Berg der Kapverden, den man besteigen kann.

Sao Nicolau: Grüner Ruhepol

Noch ein sehr heller Fleck auf der touristischen Landkarte is die Insel Sao Nicolau. Sie ist grün und üppig, die meisten Menschen leben von der Landwirtschaft oder arbeiten auf einer touristischen Nachbarinsel. Es gibt nur wenige Unterkünfte. Empfehlenswert ist die Pension Bela Sombra in der Inselhauptstadt Ribeira Brava. Dort wird zum Frühstück die lokale Speise Cachupa serviert, ein Eintopf aus Mais, Bohnen, Fisch und Fleisch. Die Wanderung vom Ortskern ins höher gelegene Cachaco bietet weitreichende Ausblicke.

Tipps & Links:

  • Anreise: Mit Tuifly ab München direkt nach Boa Visa, weiter nach Sal. Mit TAP ab Wien über Lissabon auf einige der Kapverdischen Inseln.
  • Währung: Kap-Verde-Escudo, ein Escudo sind 100 Centavos. Wechselkurs: Für einen Euro bekommt man rund 110 Escudos.
  • Preisniveau: Günstiger als in Europa aber teurer als in Asien. Nette einfache Doppelzimmer gibt es ab rund 20 bis 25 Euro/Person. Auf den touristisch genutzten Inseln findet man Luxus- und Designhotels zu guten Preisen. Essen gehen kann man in touristischen Lokalen zu ähnlichen Preisen wie in Europa, tendenziell günstiger. In einheimischen Lokalen ist das Essen um ein Vielfaches billiger. Das Abheben von Geld am Bankomaten sollte auf den touristischen Inseln kein Problem darstellen.
  • Unterkünfte buchen: Wer ein Pauschalangebot bucht, bekommt oft nur eine einzige Insel zu gesicht. Tagestouren zu anderen Inseln werden zwar manchmal angeboten, sind aber sehr teuer, weil man fliegt. Spezialveranstalter wie www.reisetraeume.de bieten maßgeschneiderte Rundreisen an. Auch individuell lassen sich die Kapverden mit etwas Planung sehr gut bereisen. Kleinere Unterkünfte bucht man am besten per Mail, die Kontakte stehen im Reiseführer. Immer mehr Unterkünfte sind auch auf Plattformen wie booking.com gelistet.
  • Kulinarik: Auf den Kapverden stehen viel frischer Fisch und Meeresfrüchte auf den Speisekarten. Eine gute Gelegenheit, um einmal vergleichsweise preiswert (ca. 25 bis 30 Euro für eine Portion) eine Languste zu probieren. Lecker ist auch die lokale Speise Cachupa, ein Eintopf aus Mais, Bohnen, Fleisch und Fisch.
  • Sprache: Da die Kapverden von portugiesischen Seefahrern entdeckt wurden, spricht man Portugiesisch. Die Einheimischen reden außerdem Criolu (Kreolisch). Englisch ist in den touristischen Gegenden verbreitet. Auf Sal leben außerdem relativ viele Europäer.
  • Lesestoff: Alexandra Lattek hat auf www.travellers-insight.de über ihre Urlaubserfahrungen auf den Inseln Sao Vicente und Santo Antao geschrieben.
  • Weitere Infos: Die Website www.kapverden.de ist eine gute erste Anlaufstelle, um einen Überblick über die Kapverden zu bekommen.